Es ist ja eigentlich nicht zu glauben. Da gibt es so tolle Hunderassen und eigentlich sollten alle Liebhaber derselben als einziges Ziel deren Gesund- und Reinerhaltung (soweit Sinnvoll) verfolgen. Aber, wie so oft gibt es auch hier Vereinigungen, Verbände, Vereine und auch Einzelpersonen denen es wohl eher um Dinge wie Geld, Einfluss, Ego oder ähnliches geht. Da auch wir leidvolle Erfahrungen damit gemacht haben möchte ich an dieser Stelle zum einen die Strukturen in der Hundezucht, soweit mir möglich, aufzeigen und auch unsere Gründe darlegen welche dazu führten dass wir Mitglied beim IHV sind.

Am 22. Mai 1911 gründeten Zuchtverbände aus Belgien, Deutschland, Frankreich., Niederlande, Österreich in Paris die Fédération Cynologique Internationale, kurz FCI, zum Wohle des Hundes, zur Erforschung der Hunde und nicht zuletzt zur Zucht der Hunde. Die FCI hat sich hierbei zur ausschließlichen Zusammenarbeit der eigenen Mitgliedsverbände verpflichtet. Außerdem kann pro Staat lediglich ein Verband Mitglied werden und somit seht für z.B. Deutschland der VDH als alleiniger Vertreter der FCI fest. Alle anderen deutschen Verbände werden nicht zugelassen. Weitere Vereinigungen, britische, amerikanische, kanadische Kennel Clubs haben mit der FCI Kooperationsvereinbarungen geschlossen. Es gibt aber auch Vereinigungen, z.B. den United Kennel Club, welche keine Zusammenarbeit mit der FCI pflegen. Die FCI delegiert Aufgaben wie die Erstellung der Zuchtrichtlinien, die Führung der Ahnentafeln und Ähnliches an die einzelnen Mitgliedsverbände, in Deutschland somit dem VDH.
(Auszugsweise aus Wikipedia)

Durch die alleinige Anerkennung des VDH als FCI Verband stellt sich, vor allem für kleine Populationen wie dem Saarloos Wolfhund, ein Problem. Wer in Deutschland einen regulären Wurf mit dem Saarloos Wolfhund plant ist eigentlich dazu gezwungen Mitglied im VDH zu sein.

Und auch wir gingen anfangs diesen Weg da auch unsere Banu einem VDH Deckakt entsprang. Wir besuchten also eine erste Ausstellung in Nürnberg und wunderten uns erst mal über die Regelung dass das Messegelände nicht verlassen werden durfte. Wir waren erst Nachmittags an der Reihe und durfte so den gesamten Vormittag auf dem Messegelände mit warten verbringen. Vom Ergebnis, welches für uns mit einem 1. Platz endete will ich hier gar nicht sprechen, da es für uns ohnehin keinerlei Bedeutung hat. Wir hatten einfach so unsere Probleme mit den doch recht restriktiven Regelungen für so eine Ausstellung. Wir kamen uns bevormundet vor, auch zum Ende hin. Wir durften das Ausstellungsgelände erst nach Erhalt der Bewertung/Urkunde verlassen. Also nochmals warten. Für die Hunde, zumal den Saarloos mit Sicherheit keine wirkliche Wohltat. Wir waren froh nicht noch in den Ehrenring zu müssen, da dies nochmals Wartezeit und eine erneute Vorführung bedeutet hätte, welche wir uns in jedem Fall ersparen wollten. Das waren unsere ersten Erfahrungen mit dem VDH.

Eine zweite Ausstellung folgte, diesmal in München, und dort wurde es noch schwieriger. Es war sehr eng, Boxen gab es keine, Banu war erheblich aufgeregter als noch in Nürnberg. Wir konnten zwar das eigentliche Gebäude verlassen, jedoch zeigte Banu bei jedem erneuten Betreten des selbigen immer mehr Unlust uns zu folgen. Somit waren wir doch wieder gezwungen drinnen zu warten. Im Ring angekommen und gelaufen tauchte ein Problem auf mit dem ich, trotz allem, nicht gerechnet hätte. Nach dem eigentlichen Lauf wurden alle Teilnehmer dieser Runde zum Ringrichter gerufen und über einen Sachverhalt aufgeklärt der sich mir bis heute nicht erschließt. Zu den Bewertungskriterien wurde ausgeführt, dass wegen des anwesenden Fernsehteams des Bayrischen Rundfunks der Rasse Saarloos keine Bewertungserleichterungen gewährt werden könnten. Da wir durch die Kameras im Lichte der Öffentlichkeit stünden müssten für uns dieselben Richtlinien wie für alle Rassen angewendet werden. Man verstehe meine Überraschung, dachte ich doch dass die Bewertungen immer anhand des Rassestandards erfolgt, ohne Erleichterungen. In diesem Rassestandard sind aber ohnehin Eigenheiten der einzelnen Hunderassen aufgeführt. Für den Saarloos heißt es dort u.a. dass sie (oder er) in Ungewohnten Situationen seinem Fluchtinstinkt nachgeben kann. Das ist für einzelne Tiere mit Sicherheit unterschiedlich sollte meiner Einschätzung nach jedoch in keinem Fall zu einer Bestrafung führen. Nach Erhalt der Bewertung, mit dem Hinweis mehr zu Üben, somit also den Fluchtinstinkt ab zu trainieren, womit der eigene Standard ja nicht mehr erfüllt wäre, besuchten wir im nächsten Schritt den Messestand des VDH mit dem Wunsch nach Aufklärung. Die dort anwesende Vertreterin des Verbandes, Ringrichterin für Herdenschutzhunde, verstand den Vorgang jedoch ebenfalls nicht. Sie ginge davon aus dass der Rassestandard die Vorgabe für den Ringrichter darstellt nach der gerichtet werden muss. In Nürnberg ist dies ja auch genau so geschehen, dem Saarloos wurde sein, rassetypisches, Fluchtverhalten gewährt. Wir bekamen, zum Abschluß des Gespräches, den Tip eine offizielle Anfrage an den VDH zu stellen. Zusätzlich möchte ich noch Anführen daß andere Teilnehmer unseres Rings zwar ebenso "entrüstet" waren, von einer Beschwerde jedoch abrieten.

Also folgte Teil 3 der Geschichte. Ich erstellte eine Anfrage mit der Bitte um eine Stellungnahme. Dieses Schreiben versandte ich an vier Empfänger und erhielt – erst mal gar nichts bzw. nicht Zuständig und weitergeleitet. Eine Antwort allerdings irritierte mich am meißten:“Wir gehen davon aus, dass alle vom VDH für eine Rasse zugelassenen Zuchtrichter, die entsprechende Rassekenntnis besitzen, kompetent und integer sind und in dem Bewusstsein handeln, mit der Vergabe der Formwertnoten einen entscheidenden Beitrag für die Zuchtlenkung zu leisten.“ Somit ist klar, der Zuchtrichter macht nichts falsch. Keine Frage nach Belegen für meine Äußerung, keine Frage nach den anderen Beteiligten, einfach ein „der Zuchtrichter hat immer Recht“. Ich hätte schon erwartet dass mir zumindest klar gemacht wird warum so und nicht anders entschieden wurde.

Als Lösung zu diesem Problem blieb somit nur die Suche nach einem Verband/Verein bei dem ich mich besser aufgehoben fühlte. Im FCI Rassestandard des Saarloos steht „Lebhafter, von Energie strotzender Hund, der einen stolzen und unabhängigen Charakter aufweist. Er ist nur aus eigenem freien Willen gehorsam; er ist nicht untertänig. Gegenüber seinem Herrn ist er anhänglich und im höchsten Maße zuverlässig. Fremden gegenüber zeigt er sich reserviert, einigermaßen misstrauisch. Seine Reserve und sein wolfähnlicher Fluchtrieb in unbekannten Situationen sind typisch für den Saarlooswolfhund und sollten als rassetypische Eigenschaften erhalten werden. Wenn Fremde sich einem Saarlooswolfhund nähern, sollten sie einiges Verständnis für das Benehmen dieses Hundes haben, für seine Zurückhaltung und für seinen Fluchttrieb, Eigenschaften, welche er als Erbgut in sich trägt. Eine forcierte, nicht gewünschte Annäherung durch einen Fremden kann dazu führen, daß der Fluchttrieb überwiegt. Die Behinderung dieses Triebes, z.B. durch mangelnde Bewegungsfreiheit des angeleinten Hundes, kann dazu führen, daß sein Benehmen ängstlich erscheint.“ Und da man sich am besten einen, zu dem eigenen Charakter passenden, Hund als Begleiter erwählt gilt dies auch für uns. Auch wir sind nicht untertänig.

So landeten wir also beim IHV und machte vollkommen andere Erfahrungen. Als Beispiel gilt hier die Zuchtzulassungsprüfung die nach nahezu identischen Maßstäben abgehalten wird jedoch dem Wesen z.B. des Saarloos Wolfhundes Rechnung trägt. Sie fand auf einer nach allen Seiten freien Wiese statt und dauerte knapp 60 Minuten. Ein weiterer Hund war auch anwesend und dadurch war unsere Banu erheblich entspannter. Der ausgesprochene Sachverstand des Prüfers beeindruckten mich von Anfang an. Ruhe, Kompetenz und Flexibilität führten zu einem überzeugenden Ergebnis. Und so sind wir mit unserer Entscheidung sehr zufrieden und ich denke Banu fühlte sich auf dieser Wiese umgeben von Natur sichtlich wohler als in einer Halle mit hunderten Menschen und ebenso vielen Hunden. Und wie steht es noch in der Satzung der FCI:“... und das Wohlergehen der Hunde weltweit zu fördern“.

Am Anfang war Banu so scheu wie es von einem Saarloos zu erwarten wären (ich bevorzuge vorsichtig, das kommt meiner Meinung nach dem Verhalten näher). Ungewohntes löste Unsicherheit aus und wurde mit Flucht, soweit möglich, quittiert. Das laufen an einer Straße war Stress pur, hier versuchte Sie immer den weitest möglichen Abstand einzuhalten. Mit viel Geduld und unserem Einsehen dass Saarloos Wolfhunde eben so sind besserte sich dieses Verhalten zusehends.

Beim Spazieren im Wald (ohne Leine) versteckte sie sich im Unterholz um von Joggern, Fußgängern, Radfahrern etc. nicht gesehen zu werden. Auch hier konnte mit entsprechender Übung, immer in Ruhe und ihr die Möglichkeit zur "Flucht" lassend eine erhebliche Verbesserung bewirkt werden. Mittlerweile sind solche Begegnungen eher ein Grund zur Neugierde was bedeutet dass sie schon mal an die Leine genommen werden muss um einem Radler nicht in die Quere zu kommen. Pferden begegnet sie mit Respekt und Neugierde, wenn es vorbei ist trabt sie vorsichtig hinterher. Fremde Hunde lösen ausschließlich Neugierde aus. Hier gibt es kein Halten mehr was stellenweise zu Fluchtreaktionen (Hund und Halter) auf der Gegenseite führt.

Banu ist sehr aufmerksam und nimmt jedes Geräusch und jede Bewegung in ihrer Nähe war und entscheidet sich wohl recht schnell zur Flucht, Jagd oder dem Ignorieren des Ereignisses.

Der Jagdtrieb lässt sich bei ihr nicht leugnen. Da aber Wölfe in der Gruppe jagen gilt auch für sie, wenn die anderen nicht mitgehen lasse ich auch schnell von meinem Plan ab. Am besten wirkt hier der Abbruch mittels "STOP" und das sofortige Verstecken. Wenn sie dann nichts mehr von den anderen hört und sieht, ist sie zügig wieder von ihren Jagdplänen abgerückt.

Im Umgang mit ihren "Familienmitgliedern" ist Banu manchmal recht wild, aber bis jetzt gab es noch keine größeren Blessuren und die kleiner werden von den anderen (Menschen eingeschlossen) tapfer ertragen. Dabei ist sie aber nicht grob sondern kann genau abschätzen was erlaubt ist und was zu weit geht (stellenweise fehlt es noch am Feingefühl, speziell wenn sie einem zur Begrüßung mit der Pfote und somit den Krallen übers Gesicht fährt).

Da Saarloos Wolfhunde sehr intelligent sind, was Problemstrategien angeht, erleben auch wir öfters diverse Überraschungen. So fand sie einen eigenen Weg ins freie indem sie durch das Haus in den Keller marschierte und dort die Kelleraussentür öffnete. Ist einmal ein solcher Weg bekannt hilft nur noch alles Verriegeln oder jede Klinke durch einen Türknauf zu ersetzen. Banu lockte mich einmal gezielt von meinem Teller weg (Herrchen, schnell mach die Terrassentür auf, ich muss raus), um sich, nach meinem Aufstehen, sofort über dessen Inhalt herzumachen.

Alles in allem entspricht Banu dem was an Informationen in Büchern, dem Internet, Züchtern, Haltern ... zu erfahren war. Für uns also keine Überraschung.

Wie aus einer Lokalzeitschrift zu  erfahren war sind auch im Bodenseekreis Herzwürmer in Fuchskadavern nachgewiesen worden. Da in einem kürzlich statt gefundenen Gespräch von den Therapiemöglichkeiten die Rede war habe, ich aus dem aktuellen Anlaß mal im Internet nach solchen Maßnahmen gesucht. An der Ludwig-Maximilians-Universität in München habe ich etwas dazu gefunden.

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